Historische Wahlen in Armenien
- 24. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Kampf um die Zukunft Armeniens - Eine Übersicht

Am 7. Juni 2026 finden in Armenien Parlamentswahlen statt. Es handelt sich um eine Wahl mit entscheidenden regionalen und geopolitischen Folgen. Sie wird daher als «historisch» bezeichnet.
Informationen zum Wahlgang von der Internetplattform Civilnet:
Fast 2,5 Millionen Bürger sind wahlberechtigt; 19 politische Kräfte treten zur Wahl an, darunter 17 Parteien und zwei Bündnisse.
- Die Bürger wählen politische Parteien, keine einzelnen Kandidaten.
- Parteien müssen eine Mindeststimmenzahl erreichen, um in die Nationalversammlung (das Parlament) einzuziehen – 4 % für Parteien, 8 % für Bündnisse aus zwei oder drei Parteien, 10 % für Bündnisse aus vier oder mehr Parteien
- Die Sitze werden proportional auf der Grundlage des Stimmenanteils verteilt
- Die Nationalversammlung besteht aus 101 Abgeordneten, deren Amtszeit fünf Jahre beträgt. Die Zahl kann erhöht werden, wenn zusätzliche Sitze erforderlich sind, um eine stabile Mehrheit zu gewährleisten.
- Vier zusätzliche Sitze sind zudem für Vertreter nationaler Minderheiten reserviert.
Wahl des Premierministers
- Der Premierminister wird nicht direkt von den Wählern, sondern von den neuen Abgeordneten in der Nationalversammlung gewählt.
- Der Vorsitzende der Partei mit den meisten Sitzen wird in der Regel zum Premierminister gewählt, da eine Mehrheit erforderlich ist.
- Eine politische Partei oder Koalition muss mindestens 52 % der Sitze kontrollieren, um eine stabile Mehrheit zu bilden und einen Premierminister zu wählen
Was, wenn die erste Wahlrunde keine regierungsfähige Mehrheit bringt?
- Wenn keine Partei die Mehrheit im Parlament hält und es den Parteien nicht gelingt, eine Koalition zu bilden, um 52 % der Stimmen zu erreichen, findet eine zweite Wahlrunde statt.
- Die zweite Runde wird zwischen den beiden politischen Kräften ausgetragen, die in der ersten Runde die meisten Stimmen erhalten haben.
- Wenn die zweite Runde scheitert, wird das Parlament automatisch aufgelöst und es müssen Neuwahlen stattfinden.
Die wichtigsten Parteien
- Die regierende Partei „Zivilvertrag“ wird von Premierminister Nikol Paschinjan geführt. Er dominiert die armenische Politik, seitdem die Revolution von 2018 ihn an die Macht brachte.
- Die Partei „Starkes Armenien“, auch bekannt als „Mer Dzevov“ ("Unser eigener Weg"), wird von Samvel Karapetyan angeführt, einem in Sowjetarmenien geborenen Milliardär. Karapetyan hat ein weitverzweigtes, sich über Russland und Armenien erstreckendes Geschäftsimperium aufgebaut, das als „Tashir-Gruppe“ bekannt ist.
- „Prosperous Armenia“ wird von Gagik Tsarukyan angeführt, einem der reichsten Geschäftsleute des Landes und einer der dienstältesten Persönlichkeiten in der armenischen Politik. Tsarukyan, der seit den 1990er Jahren in der Wirtschaft tätig ist, zog 2003 erstmals als unabhängiger Abgeordneter ins Parlament ein, bevor er ein Jahr später die Partei „Prosperous Armenia“ gründete.
n Die 2025 gegründete Partei „Flügel der Einheit“ wird von Arman Tatoyan angeführt. Der gelernte Jurist war von 2016 bis 2022 Armeniens Menschenrechtsbeauftragter (Ombudsmann).
- Die „Armenia Alliance“ wird von Robert Kocharyan angeführt, der von 1998 bis 2008 Armeniens Präsident war. Seine Präsidentschaft war geprägt von einem bedeutenden Wirtschaftswachstum nach den verheerenden 1990er Jahren, aber auch von Vorwürfen systemischer Korruption und der Festigung oligarchischer Machtverhältnisse.
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Eine Umfrage des renommierten Unfrageinstitutes IRI stellt fest, dass die Armenier die europäische Integration vor den Parlamentswahlen weiterhin unterstützen, 22.5.26
Wenn Wahlen diesen Sonntag stattfinden würden, würden fünf Parteien Einzug ins Parlament finden.
Die regierende Partei Ziviler Vertrag wäre mit 28.8 der Stimmen weiterhin die grösste Partei.
Die oppositionelle Partei «starkes Armenien» würde 14.9 % der Stimmen erhalten, das Parteienbündnis Armeniens 12.1%, die Partei «Wohlhabendes Armenien» 8.7 % und schliesslich die Partei Wings of Unity 5.8. %.
Mit über 40 % der Stimmen kann die Opposition im neuen Parlament somit einen so einflussreichen Block bilden, dass die Regierung welche sie auch sein wird diesen nicht ignorieren kann.
Das könnte sich durchaus positiv für die Demokratie in Armenien auswirken.
Oder die gleich grossen Blöcke der Opposition und der Siegerpartei könnten die im Parlament widerspiegelte Spaltung in der Gesellschaft lähmen.
In einem scheinen die Armenier übereinzustimmen: Gemäss einer landesweiten Umfrage, die vom Center for Insights in Survey Research des International Republican Institute (IRI) durchgeführt wurde, befürworten etwa drei Viertel der Befragten einen möglichen Beitritt Armeniens zur EU.




